Förderung für Native Speaker

Bürgerlandtag traf Englisch Trainer Brigitta Mair zum Gespräch

Native Speaker Brigitta Mair

Waltraud Palmetzhofer und Andreas Fischer vom Verein Bürgerlandtag trafen Englisch-Trainer Brigitta Mair in Begleitung des Native Speaker Mark Morgan in Eichgraben:

Frau Brigitta Mair ist selbst Mutter von Zwillingen und zwei afghanischen Pflegekindern, sie begann im Jahr 2009 in Kindergärten als Englisch-Trainer zu arbeiten und unterrichtete 13 Kindergartengruppen in den verschiedensten Gemeinden. Für sie war es ein großer Schock, als ganz überraschend heuer in den Ferien mitgeteilt wurde, dass es ab Herbst keine Englischstunden im Kindergarten mehr geben wird. Manche Eltern wissen bis heute nicht, dass sie keine Englischstunden mit externen Trainern mehr haben. Durch die Einstellung der Förderung durch das Land NÖ wurde die wöchentliche Englischstunde ersatzlos gestrichen. Viele Native Speaker, die vor acht Jahren nach Niederösterreich geholt wurden, hier ihre Existenz aufgebaut haben, sind jetzt arbeitslos und müssen teilweise wieder alles aufgeben und zurück in ihre Heimat gehen.

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Native Speaker

LAbg Von Gimborn fordert Land NÖ auf Native Speaker auch weiterhin zu fördern...

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Frau Mair bietet mit ihren Trainern, nicht nur Unterricht als Native Speaker an, sondern auch Nachhilfe, Englisch-Spielgruppen, England Camps usw. Da viele Eltern nicht in der Lage sind, die finanziellen Mittel aufzubringen, um für ihre Kinder ein zusätzliches unterstützendes Angebot zum Erlernen der englischen Sprache in Anspruch zu nehmen, hat die engagierte Idealistin einen Sozialfonds in ihrem Kurszentrum Little big steps, eingerichtet. In diesen Sozialfonds zahlen sie und ihr Partner Mark hauptsächlich selbst ein oder organisieren Flohmärkte und Tombolas. Aber es gibt auch Private, die diese nützliche Initiative unterstützen, damit für das eine oder andere Kind die Mittel aufgebracht werden, um dieses zum Beispiel zum England Camp mitnehmen zu können oder Nachhilfestunden zu organisieren.

BL: Für welche Altersgruppe gab es im Kindergarten den Unterricht durch Native Speaker?

Der Englischunterricht war für alle Altersgruppen im Kindergarten, angefangen von den 2 ½ -Jährigen bis zu den Vorschulkindern.

Wie viele Stunden waren das pro Woche und warum ist Englischlernen im Kindergartenalter sinnvoll?

Wöchentlich gab es eine Englischstunde, in der wir spielerisch mit den Kindern die Grundbegriffe der englischen Sprache geübt haben. Kinder lernen in den ersten fünf Jahren ihres Lebens am meisten. Sie lernen spielerisch. Die ersten fünf Jahre prägen auch die schulische Zukunft des Kindes.

Wir haben festgestellt, dass Kinder, die schon im Kindergarten Englischunterricht hatten, später in der Volksschule keine Hemmschwelle hatten, Englisch zu sprechen. Sie hatten es im Englischunterricht in der Schule wesentlich leichter und brauchen bis zur Unterstufe des Gymnasiums weniger Nachhilfestunden.

Wie hoch sind die Kosten pro Stunde, die die Eltern bezahlen müssen, wenn sie weiterhin den Unterricht eines Native Speakers in Anspruch nehmen möchten?

Wir verlangen pro Englischstunde € 30, das heißt wenn alle Kinder in einer Gruppe von z.B. 25 Kindern teilnehmen würden, wäre das €1,20 pro Woche/Kind. Selbst wenn sich das die Eltern leisten können, gibt es ein weiteres Problem. Da Englisch jetzt ein Freigegenstand ist, darf der Native Speaker erst am Nachmittag mit den Kindern lernen. Zum einen sind die Kinder, vor allem die kleineren, am Nachmittag dafür schon zu müde, andererseits können sich viele Eltern die doch sehr hohen Kosten für die Nachmittagsbetreuung und das dann notwendige Mittagessen nicht leisten.

Was halten Sie von der Idee, dass Kindergärtnerinnen freiwillig Englischkurse absolvieren, damit sie dann im Zuge ihrer laufenden Kindergartentätigkeit auch noch zusätzlich Englisch unterrichten?

Ich habe das bei einer Kindergärtnerin erlebt, die neben der Betreuung einer Familiengruppe (2 1/2-Jährige bis hin zu Vorschulkindern), nach dem freiwilligen Englischkurs im Kindergarten zusätzlich auch noch den Kindern Englisch näher bringen musste. Das ist in der Realität schwer durchführbar. Diese Kindergärtnerin musste bei den kleinen Kindern noch Windeln wechseln, hatte diverse Feste zu organisieren, mit den Vorschulkindern die Schulblätter erledigen, Bastelarbeiten für verschiedene Anlässe anfertigen usw. Da aufgrund von Sparmaßnahmen auch viele Stützkräfte gestrichen werden, ist die zusätzliche Englischstunde für eine einzelne Kindergartenpädagogin sehr aufwendig. Häufig stellt auch die Qualität der Aussprache ein Problem dar.

Warum sollen Kinder schon im Kindergarten Englisch lernen, wäre es nicht besser, sie lernen zuerst Deutsch?

Für kleine Kinder ist es absolut kein Problem mehrere Sprachen gleichzeitig zu lernen. Sie haben kein Problem mehrsprachig aufzuwachsen. Meine eigenen Kinder wachsen dreisprachig auf, sie sprechen: Deutsch, Englisch und Tagalog und haben auch großes Interesse an Französisch und Spanisch. Neuerdings kommen, bedingt durch ihre Pflegegeschwister, auch Wörter in Dari dazu.

Was sagen Sie zur Streichung der Finanzierung der Native Speaker in den Kindergärten, wie wirkt sich das auf die Kindergärten aus, wo Sie tätig waren?

Ich finde es sehr traurig, dass gerade bei der Bildung gespart wird, hier sollte man doch eher investieren, um die Kinder noch besser auf die bevorstehende Schule vorzubereiten. Die Zukunft der Kinder sollte doch im Vordergrund stehen. Die niederösterreichischen Kindergärten sind sehr gut und waren mit dem zusätzlichen Angebot, das einmal wöchentlich erste Englisch-Kenntnisse durch muttersprachlich englische Mitarbeiter vermittelt wurden, sehr aktuell. Seit über Nacht die Förderung durch das Land NÖ gestrichen wurde, gibt es in den meisten Kindergärten vieler Gemeinden keine englischen Native Speaker mehr. Wir haben nur mehr einen Kindergarten, wo die Gemeinde selbst weiterzahlt. In einem anderen Kindergarten begleichen Eltern selbst die Englischstunden. Wir hatten 10 Anmeldungen, davon waren zwei Kinder jedoch noch sehr jung und werden erst im Frühjahr dazustossen.

BL: Was wäre Ihr Wunsch als Native Speaker für die Zukunft?

Natürlich wäre es für mich und für uns Eltern wünschenswert, dass das Land Niederösterreich die Förderung des Englischunterrichtes durch Native Speaker wiederaufnimmt, da die Gemeinden die Finanzierung nicht vollständig übernehmen. Wenn wir die ersten fünf Jahre unserer Kinder nicht dafür nutzen, ihnen das natürliche Sprachgefühl auf spielerische Weise zu vermitteln, ist das in späteren Jahren nicht mehr aufzuholen. Das Erlernen der englischen Sprache im Kindergarten ist für die kommende Schulzeit eine wesentliche Erleichterung und allgemein wird die Hemmschwelle gegenüber einer fremden Sprache abgebaut.

LAbg Von Gimborn: Das Land NÖ muss English Native Speaker in Kindergärten auch weiterhin fördern

St. Pölten (OTS) - Eine Novelle des Kindergartengesetzes durch den NÖ Landtag hat die Mittel für den Native-Speaker-Unterricht in Kindergärten gestrichen.

Da viele Gemeinden die notwendigen finanziellen Mittel für die Native Speaker aus eigener Kraft nicht aufbringen können, fordert LAbg. Von Gimborn ein rasches Umdenken des Landes.

„Die englische Sprache ist ohne Frage die bedeutendste Weltsprache der Gegenwart. Sie hat nicht nur die meisten Sprecher weltweit, sondern wird von allen Weltsprachen auch am meisten in Kultur, Wissenschaft und Wirtschaft eingesetzt“, so Von Gimborn.

Der frühe Kontakt mit dieser Weltsprache durch Native Speaker ist unersetzbar. „Wenn wir diese frühen Jahre unserer Kinder nicht dafür nutzen, ihnen das natürliche Sprachgefühl auf spielerische Weise zu vermitteln, ist das in späteren Jahren nicht mehr aufzuholen.“ warnt LAbg Von Gimborn.

Sie sieht es als einen völlig falschen Ansatz, wenn man gerade bei den Förderungen der jüngsten und kleinsten Bürger den Sparstift ansetzt. Um das, für eine konkurrenzfähige Ausbildung notwendige Sprachwissen, bereits so früh wie möglich zu vermitteln, fordert LAbg. Von Gimborn das Land Niederösterreich daher auf English Native – Speaker Unterricht in Kindergärten auch weiterhin zu fördern.

http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20161118_OTS0008/labg-von-gimborn-das-land-noe-muss-english-native-speaker-in-kindergaerten-auch-weiterhin-foerdern